Beschreibung
Shakespeares Richard III., uraufgeführt um 1593, war schon zu Lebzeiten des Dramatikers einer seiner erfolgreichsten Texte. Bis heute hat die Titelfigur nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Ihre Verführungskraft liegt gerade in ihrer hemmungslos zielgerichteten, lustvoll zur Schau gestellten Amoralität. Richard ist der erste in einer Reihe von Bösewichten in Shakespeares Werk, dessen virtuose Manipulationskunst fasziniert. In der Tradition der europäischen Theatergeschichte wurde Richards körperliche „Missgestalt“ zum Symbol für moralische Verkommenheit. Diese Gleichsetzung von Behinderung mit Bösartigkeit hat sich tief in das kulturelle Gedächtnis eingeschrieben und prägt bis heute die Wahrnehmung von Körpern, die von der Norm abweichen. Die Inszenierung am RambaZamba Theater stellt diese Zuschreibung radikal infrage. Gemeinsam mit der Autorin Antigone Akgün wird Shakespeares Text überschrieben, um Richard als Figur zu entwerfen, deren Machtergreifung aus der Erfahrung von Ausgrenzung, Spott und strukturellem Ableismus entsteht. Statt als „dämonischer Tyrann“ erscheint Richard als jemand, der sich die ihm verweigerte Teilhabe mit allen Mitteln aneignet – kompromisslos, schillernd, unerbittlich. Regisseurin Julia Wissert legt dabei den Fokus auf die politischen Dimensionen: Wer hat Zugang zu Macht? Wer darf sichtbar sein? Und welche Gewalt erzeugt eine Gesellschaft, die ihre Außenseiter:innen permanent abwertet? Die Regisseurin Julia Wissert, bekannt für ihre politischen, diskursstarken Inszenierungen, erarbeitet mit der Autorin Antigone Akgün eine Textfassung zwischen Shakespeare-Rhythmus und heutiger Überzeichnung, die Wut, Witz und Widerstand in den Dialogen spürbar macht. Die unterschiedlichen Körper und Stimmen der Schauspieler:innen des RambaZamba Theaters erzeugen einen Resonanzraum, in dem Norm und Abweichung immer wieder neu verhandelt werden. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Höhepunkte
- Neuinterpretation von Shakespeares Richard III.
- Inszenierung am RambaZamba Theater
- Fokussiert auf Themen wie Macht und Ausgrenzung
Allgemeine Informationen
Die Inszenierung von Richard III. am RambaZamba Theater bietet eine radikale Neubewertung der klassischen Figur. Unter der Regie von Julia Wissert wird der Text gemeinsam mit der Autorin Antigone Akgün überarbeitet, um die Themen Macht und gesellschaftliche Ausgrenzung zu beleuchten.
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