Beschreibung
Grafik als Gedächtnisnotizbuch. Abdruck des nächtlichen Atems. Ein Schnitt, der durch Schichten von Material und Zeit geführt wird. Die Ausstellung Schwarze Tränen präsentiert eine Sammlung von Werken des Grafikers Jan Vičar, inspiriert vor allem durch seine Aufenthalte und Erfahrungen in Afrika. Dieser markante Solitär der zeitgenössischen tschechischen Grafikszenen, Träger des Mario Avati Preises der Französischen Akademie, des Vladimír Boudník Preises und Preisträger zahlreicher weiterer Auszeichnungen, bringt in die Alšova Galerie Südböhmens eine künstlerische Aussage, die dunkel, aber zugleich tief aussagekräftig ist. Vičars Arbeiten oszillieren zwischen Tagebucheinträgen und Traumvisionen. In seinen Holzschnitten und Linolschnitten verdichtet sich die Zeit – Vergangenheit, Gegenwart und mythische Dimensionen verschmelzen. Jeder Abdruck ist eine Spur einer Reise, die nicht nur geografisch, sondern vor allem innerlich ist. Afrika wird in seinem Werk zur Initiationslandschaft – nicht beschrieben, sondern neu erlebt. Vičars Grafiken sind keine Illustrationen von Erlebnissen. Sie sind Aufzeichnungen des Zusammenpralls kultureller Schichten, der Körperlichkeit der Landschaft und einer Gegenwart, die beunruhigt und fasziniert. Und genau dieser Zusammenprall spiegelt sich in der Substanz seiner Werke wider. Die künstlerische Sprache des Autors wächst aus klassischen grafischen Techniken, insbesondere Holzschnitt und Linolschnitt, geht aber weit über die gewöhnlich verstandenen Grenzen des Mediums hinaus. Vičar arbeitet oft mit der Matrize und dem Abdruck als zwei gleichwertigen Einheiten, wobei die resultierende Form immer ein offenes Experiment ist. Mit Hilfe einer Presse eigener Konstruktion schafft er monumentale Formate, in denen Grafik Raum, Rhythmus und Objekt wird. In seinem Werk hallt das Erbe der alten Meister der europäischen Grafik – von Dürer bis Goya – wider, aber auch die tschechische Tradition der expressiven Linie und existenziellen Tiefe, wie wir sie aus dem Werk von Josef Váchal kennen. Wie er verbindet auch Vičar Poesie, Magie und handwerkliche Disziplin zu einer Einheit. Seine Grafiken wirken wie Artefakte – als wären sie direkt in die Oberfläche der Zeit eingraviert. Aufzeichnungen menschlicher Erfahrung, Schmerz, Überschreitung und stiller Ehrfurcht. Jedes Blatt ist ein Zeugnis, das keinen Punkt braucht. Statt einer Geschichte kommt ein Bild. Statt einer Botschaft kommt eine Schicht, Textur, Rhythmus. Die Ausstellung Schwarze Tränen präsentiert Jan Vičar als Autor, der den traditionellen Medien treu bleibt, sie aber gleichzeitig frei und radikal behandelt. Sein Werk beweist, dass klassische Grafik – basierend auf Handarbeit, Rhythmus und Material – auch heute monumental, aktuell und tief existenziell sein kann. jan vičar | schwarze tränen
kurator | jan kunze
grafik | mariana jůdová
ausstellung | 14. 6. - 22. 11. 2026
schlossreithalle | hluboká nad vltavou
Höhepunkte
- Ausstellung der Werke von Jan Vičar
- Inspiration durch afrikanische Aufenthalte
- Dunkle und aussagekräftige künstlerische Aussage
Allgemeine Informationen
Die Ausstellung Schwarze Tränen präsentiert eine Sammlung grafischer Werke von Jan Vičar, die aus seinen Erfahrungen in Afrika schöpfen. Die Werke kombinieren klassische Techniken mit experimentellen Ansätzen und erforschen kulturelle Konflikte und die inneren Reisen des Autors.
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